LEIPZIGER STRASSENTHEATERTAGE fanden 2020 statt!!!!

13. Leipziger Straßentheatertage
vom 11. bis 13.September 2020

Bericht 13.Leipziger Straßentheatertage 2020 vom 11. bis 13.September 2020

Mit heißer Nadel

Alles war gefühlt kurzfristig. Nachdem die Straßentheatertage im letzten Jahr nicht stattgefunden haben, wollen wir es in diesem Jahr wieder probieren. Wir verlegten, kurz vor Corona, den Zeitraum auf September. In den vergangenen Jahren fand das kleine Festival stets – in den letzten Jahren Anfang im Juni – und in den ersten Jahren im Juli statt.

Dann kam überraschen die Zusage zum Förderantrag vom Kulturamt Leipzig.

Im Laufe der letzten Jahre haben viele Künstler aus Europa wegen einer Teilnahme in Leipzig angefragt. Die wurden gezielt angeschrieben, über die Konditionen aufgeklärt und dann letztlich eingeladen. So wurde es überraschend international

Aus Freiburg kam der Australier Julien Bell alias Ernest Magnifico mit seiner Stuntshow die er schon seit 20 Jahren auf der ganzen Welt spielt. Aus Wien, wenn auch in Leipzig seit kurzem lebend, die Österreicherin Daniela Mitterlehner, und aus Chile die Kompanie Sipo, zumindest der weibliche Teil davon, der andere der Kompanie Sipo ist Leipziger. Flo Teller, alias Zipano, schon mehrfach einer der Festivalhöhepunkte sagte zu, und zum dritten Mal die Compagnie Lapadou aus Darmstadt, das Duo CamüVelü aus Erfurt, dazu mit einem Auftritt das Ensemble vom Knalltheater. Zu diesen professionellen Künstlern reihten sich noch drei Spieler der erfahrenen, vielfach gereiften und spielerfahrenen Improtheatergruppe All-Inclusive – sie waren auch schon bei den allerersten Straßentheatertagen 2007 dabei – und kurzfristig noch die integrative Theatergruppe vom Theaterladen Selbst&Los.

Trotz weniger Wochen wurde alles vorbereitet, soweit es ging: Buchungen, Verträge, Auftrittsplan, Unterkünfte, Pressemitteilung, Plakaterstellung und -verteilung.

Regelmäßige Posts auf der Knalltheater-Facebookseite und der Seite des Veranstalters Landesverband für Amateurtheater Sachsen e.V. (LATS e.V.) verbreiteten die Nachricht vom Stattfinden des Festivals so gut es ging.

Für einige Künstler war es nach Monaten Corona-Zwangspause wieder eine Möglichkeit ihrer Berufung und Leidenschaft nach zu gehen.

Der erste Tag Freitag

In den letzten Jahren lief der Donnerstag stets sehr schleppend an, so beschlossen wir erst am Freitag, am beginnenden Wochenende mit dem Festival zu beginnen. Dafür jedoch mit längeren Auftrittszeiträumen.

Auf der Grimmaischen Straße auf zwei Spots starteten die Events. Den Auftakt machten, auf Höhe der Uhr (Höhe Buchhandlung) CamüVelü mit ihrer Show aus Mimenkunst und Reifenartistik. Eine Art leblose Puppe wurde vom Mimen ausgepackt und fing immer dann, wenn Musik lief an mit ihren Reifen zu tanzen. Mit ihrer Show lockten sie eine große Traube an. Ebenso wie Zipano mit seiner Show, eine Mischung aus spontaner Comedy, Akrobatik, Artistik und allerlei absurd-komischer Zauberkunst. Die Traube an begeisterten Zuschauern war bei Flo Teller so groß, dass sich die Passanten stauten.

Eine Premiere feierte die Compagnie Lapadou mit ihrem Solostück der Clownin Tine Florine, alias Mira Schubert, Concerto Grande. Eine Clownin will ein großes Konzert dirigieren, aber, wie das bei diesen lustigen Figuren halt so ist, ihre fliegen die Notenblätter in der Gegend herum, der Stuhl wird zur Hürde, die Zuschauer verstehen ihre Anweisungen falsch, immer läuft was schief, bis, endlich, es dann zum Höhepunkt kommt, der komischerweise, offensichtlich belanglos daherkommt. Die Kinder und so mancher Erwachsene hatte seinen Heidenspaß. Der Kenner sah in dieser ClowninTalentin eine Erbin der großen Gardi Hutter.

Der andere Ort am Freitag, etwas weiter Richtung Augustusplatz, erwies sich als wesentlich schwerer bespielbar. Der Australier Julien Bell, alias Ernest Magnifico kämpfte um die Aufmerksamkeit der Zuschauer, ebenso wie Daniela Mitterlehner, bei der nur eine Handvoll stehen blieben. Tapfer und gekonnt schlugen sich die Improvisateure von All-Inclusive. Auch deren Zahl an Zuschauern blieb übersichtlich, aber die Freude ihres, vorwiegend sehr jungen Publikums, war lautstark zu vernehmen. Mit einer klassischen Improshow, in der unter anderen ein Staubsauger zum Dreh- und Angelpunkt für komische Beziehungskonflikte wurde, begeisterte einen kleinen, aber beständigen Kreis an Interessierten.

Die Kompanie Sipo verlieh den Straßentheatertagen eine tänzerische Note. Da stimmte der Rhythmus, die Choreografie, das Spiel und die Eleganz der Bewegungen. Der chilenischen Tänzerin des Duos, Elena, sah man ihre professionelle Tanzausbildung und -praktik deutlich an, während ihr Partner, Martin, mit bis zu sechs Bällen fehlerlos jonglierte.

Zu ihrem Publikum kamen dann auch der als Weltstar angekündigte Julian Bell. Seine zweite Show spielte vor der Uhr, da wo es an diesem Tag bei jeder Show viel, bis überviel Publikum gab. Ebenso wie Daniela Mitterlehner, die Schauspiel mit Jonglage verband und ihre Ballnummern mit kleinen Geschichten über Mann und Frau untermalte.

Den Schlusspunkt setzte wieder die Kompanie Sipo. Es dämmerte schon, die Zuschauer wurden weniger und es endete ein durchaus gelungener erster Tag. Die Erkenntnis welche unterschiedlichen Voraussetzungen Auftrittsorte, die weniger als 100 Meter auseinander liegen, haben können, werden wir für die kommenden Jahre berücksichtigen.

Der zweite Tag Samstag

Was tags zuvor noch anklopfte, war nun da: das Wochenende. Im Verhalten der Passanten zeigt sich dies sehr deutlich. Sie gucken wesentlich interessierter, scheinen viel mehr Zeit zu haben, und wirken allgemein entspannter.

Die Comgagnie Lapadou machte den Auftakt. Diesmal wieder im Duo mit ihrem Stück Kissing me softly. Die Wiese am Hugendubel war die optimale Kulisse für die aufkommende Festivalsstimmung. Hunderte Leute blieben stehen, oder setzten sich, staunten, lachten und schienen schlichtweg dankbar über die Theaterkunst die das Clownduo und danach das Duo CamüVelü lieferte. Die Höhepunkte gaben sich an diesem Tag die Hand. Ob Zipano oder Ernest Magnifico. Die dramaturgisch je gut durchdachte Dramaturgie der Shows mit Elementen aus Mitmachaktionen, kleinen Nummern, spontanen Einlagen und durchinszeniertem Programm funktionierten an diesem Tag bei ALLEN. Ob improvisiert wie beim Knalltheater, lautsprecherverstärkt wie bei Ernest Magnifico oder selbst ohne Lautverstärkung bei Schauspielerin und Jongleurin Daniela Mitterlehner. Jede Show hatte ihr Publikum. Die Hüte der Künstler füllten sich mit Münzen und Scheinen.

Zuschauer waren aufgrund der Radiobeiträge, die die Straßentheatertage ankündigten, unter anderem MDR Kultur, oder der Presseankündigungen oder/und der wenigen Plakate, gezielt gekommen um die eine oder andere Show zu sehen. Andere wurden überrascht, blieben stehen und sich unterhalten. In der Innenstadt war einfach alles da was sich die Phantasie an unterschiedlichen Erscheinungsformen bei Menschen vorstellen kann. Und so unterschiedlich die Passanten, so bunt und vielfältig waren auch die Shows. Als würden diese die Diversität der Zuschauer in einem noch farbenfrohen Licht spiegeln.

Ein besonderes Event war die Aufführung der Gruppe vom Laden Selbst&Los unter der Leitung der Dramatherapeutin Lisa Pawula. Mit ihrer Performance Elysium zeigten sie eine politisch-kritische Gesellschaftssatire, die sich gegen Fakennews und umweltzerstörendem Konsum richtete. Zweifellos die ungewöhnlichste Aktion des Tages, die jedoch ein ebenso großes Publikum fand. Ernest Magnifico, der stark an imaginäre Computerfigur SuperMario erinnerte, brachte am Schluss nochmal hunderte Leipziger mit seinem derben Humor zum Lachen, ebenso wie zuvor Zipano, dann endete auch der zweite Tag.
Das Wetter war sonnig-warm.

Der dritte Tag Sonntag

Am Rennbahnweg, am dortigen Spielplatz, gerade frisch saniert, fanden sich Scharen von Kindern und Eltern am Vormittag zu der Clownshow Concerto Grande und zu Kompanie Sipo. Der Rennbahnspielplatz strahlte, die Kinder riefen: Nochmal!! und die Eltern machten Fotos mit ihren Handys. Die Werbung funktionierte, das Wetter war wieder auf unserer Seite und die Künstler waren, trotz der Einfachheit des Festivals glücklich und zufrieden.

Die 13.Leipziger Straßentheatertage durften im Corona-Jahr 2020 stattfinden und bemalten dieses insgesamt gefühlt trübe Jahr mit reichlich lebendigen Farben.

Danke an das Kulturamt Leipzig. Danke an den LATS. Danke an die Helfer, Künstler und begeisterten Zuschauer!! Danke an den Wettergott!

Mit dabei waren:

die Compagnie Lapadou aus Darmstadt,

Zipano alias Flo Teller aus Leipzig,

Kompanie Sipo aus Leipzig/Chile,

Ernest Magnifico alias Julian Bell aus Berlin/Australien,

Daniela Mitterlehner aus Wien,

das Knalltheater

Improtheatergruppe All-inclusive aus Leipzig

Theaterladen Selbst&Los aus Leipzig

 

Rückblick 12.Straßentheatertage

Die 12. Leipziger Straßentheatertage fanden vom 7. bis 9.Juni 2018 im Zeitraum 15 bis 18 Uhr auf dem (erstmalig) Augustusplatz (Gewandhausseite) und in der Innenstadt (Petersstraße/Grimmaische Straße) statt und am 10.Juni 11 Uhr mit einem Kinderprogramm im Klara-Park

Bericht über die 12. Leipziger Straßentheatertage
Heiße Pflaster, schwitzende Künstler und glückliche
Passanten

Von Tapferen, die der Sonne trotzen
Die im Vorfeld mit kleineren konzeptuellen Änderungen vorgesehenen
Straßentheatertagen sahen in diesem Jahr einen Hauptspielort vor: der Augustusplatz auf
der Gewandhausseite, geschmückt mit einem eigens dafür aquiriertem Coffeestand.
Aufgrund eines Zugausfalles verzögerte sich die Eröffnung mit den Hofnarren aus Halle
um eine halbe Stunde, was jedoch, außer den Medien (MDR-Sachsenspiegel und LVZ)
niemand auffiel, da sich weder zur geplanten Eröffnung um 15 Uhr, noch eine halbe
Stunde später eine große Menge an Interessierten versammelte, denn es war einfach zu
heiß. Die Hofnarren eine Theatergruppe mit Spielern aus dem Förderwohnheim
Akazienhof trotzten der Hitze, schlüpften mutig in ihre Plastikkostüme und spielten ihr
Stück „Vögel füttern Menschen füttern Vögel“ unter widrigsten Bedingungen vor rund zehn
Zuschauern durch, etwas chaotisch, aber konsequent.
Zur Belohnung ging es dann für die Gruppe in den Schattenbereich, da nämlich hatte sich
schon das Duo Four String Company bereit gemacht für ihre musikalisch, akrobatische
Performance zum Thema Zweisamkeit. Gekonnte Partnerakrobatik mischte sich mit
träumerischen Geigenmelodien zu einer Geschichte die einen Hauch Vagabundenleben,
Freiheit und Sommer versprühten und eine ordentliche Menge an Passanten zum Stehen
und Staunen motivierte.

Widrigkeiten auf der Straße
Schwerer hatten es Komiker Jochen Falk und das Puppetto-Figurentheater aus Bürgel
eine größere Menge um sich zu versammeln. Straßentheater hat seine eigenen Gesetze.
Trotz alledem blieb beim Figurentheater eine gute Handvoll lachender Kinder stehen und
auch der ein oder andere Passant freute sich über die ein oder andere Zote. Zudem
ergänzte das Figurentheater die Farbschatulle der diesjährigen Auflage mit Puppentheater.
Aus Chemnitz reiste die Performancetanzgruppe NARI an, bestehend aus iranischen
Flüchtlingen. Zweimal zeigten sie ihre sehr bewegende Performance, in weißen
Kostümen, fast ohne Musik und bauten nicht, wie die bewährten Straßenkünstler auf
bekömmliche Unterhaltung, sondern setzten sich in ihrer Show mit der Thematik Krieg,
Heimatlosigkeit und Fremde auseinander. Überzeugend, berührend und gekonnt trugen
sie ihre Performance vor und eroberten sich eine respektable Menge in der Passage.
Ebenso wie die auf den Straßen Europas bewährte One-Woman-Company, in diesem Jahr
mit Partner als Kokolores angetretene Künstlerin. Sie lieferte ein Vorzeigebeispiel dafür,
wie man es schafft die Menschen zum Stehenbleiben zu bewegen. Mit Witz, Frechheit und
Charme. Da wird einer Zuschauerin das Eis weggenommen, an geleckt und
weitergereicht, Vorbeilaufende werden lautstark zur Umgehung ihrer mit Warnhütchen
aufgestellten Spielfläche bewogen und mit kleinen Animationen zum Lachen bewegt.
Die Show selbst feierte ihre Premiere und zeigte neben bewährten Klischees
(Bodybuilderposen, konkurrenzstarkes Buhlen um die Gunst der Zuschauer) akrobatische
Einlagen auf dem Kunstrad. Die zahlreichen Zuschauer erlebten täglich die „Grand Tour
de Friends“, französisches Flair und leichte Unterhaltung.

Knutscheinlagen und eine Lampe
Am nächsten Tag bereicherten das Clownduo Compagnie Lapadou und das
Maskentheater Utecht und Philine das diesjährige Programm. Beide waren mit ihrem
Programmen schon bei vergangenen Straßentheatertagen in Leipzig vertreten, aber noch
nie so reif und ausgefeilt wie in diesem Jahr.
Die clownesken Einlagen von Lapadou stimmten bis ins Detail, die Annäherungsversuche
der Clownin an den Clown, das schließlich in einer kindgerechten Knutschorgie endete,
erzeugte bei dem vorwiegend jungen Publikum Lachtränen.
Das Maskentheater Utecht und Philine, zwei mit Larven bestückte Handwerker, die in
einem Zimmer eine Lampe anbringen sollten, hier aber mit Widrigkeiten wie der
Deckenhöhe und den richtigen Umgang mit der Leiter zu kämpfen hatten, holten sich
schließlich Hilfe aus dem Publikum und scharrten während ihrer Show mehr und mehr das
Publikum um ihren mit einem Schlauch abgedeckten Spielraum.
Jochen Falk kämpfte hingegen weiter mit den Zuschauerzahlen und steigerte sich von 5
auf 7 auf individualrekordverdächtige 30.

Furioses Finale
Am Samstagabend gab es dann eine Gala auf dem Hof der Feinkost. Mit „Allerlei
Gaukelei“ betitelt traten die Hauptakteure der diesjährigen Straßentheatertage mit
Auszügen aus ihren Shows auf und sorgten für einen witzigen, abwechslungsreichen und
kurzweiligen Abend vor über 120 Zuschauern, die dann entweder aufgrund des
einsetzenden Starkregens oder vor Ergriffenheit gar nicht mehr gehen wollten.
Ihre Begeisterung zeigten diese in dem gut gefüllten Hutgeld, das auf der Straße allerdings
in diesem Jahr recht mager ausfiel.
Märchenerzählerin Ilonka Struve sorgte dann am Sonntag im Park für über 80 verzauberte
Kinder- und Familienaugen. In ihrem Schlossmärchen bricht die Prinzessin mit der Etikette
der Adligkeit und besucht zum Entsetzen ihrer Eltern eine Schule. Begeistert hörten die
Kinder dem Märchen zu, die Eltern tönten Geräusche wie Schnarchen und Staunen mit
und am Schluss durften die Kinder die historischen Kostüme anprobieren.
Ein überaus gelungener Abschluss.

Freude über Chaos
Summasummarum war die 12.Auflage gelungen. Etwas chaotisch zwar, weil die geplanten
Orte und zum Teil auch deren Zeiten den gegebenen Umständen angepasst wurden, was
es für den gezielt suchenden Passanten schwer machte.
Dafür gab es mit der Gala einen grandiosen Abschluss, ebenso mit dem Kinderprogramm
am Sonntag.
Es gibt so Vielen zu danken. Alle voran den aufopferungsvollen Helfer wie Jule, Marie,
Joana, Nathanael, Vreni und Anja, der Moritzbastei für die Bereitstellung eines Raumes für Umzüge, Sisu
vom Kinderbuchladen Serifee für ihre spontane Unterstützung der GALA, Sindy von den
Cammerspielen für die Bereitstellung einer Unterkunft, der Firma Kronfink für ihren
kostenlosen Druck und ihrer schnellen Loyautgestaltung, der Feinkostgenossenschaft,
allen Unterstützern auf Visionbakery, dem Büro für Darstellende Kunst Sachsen e.V. und
vielen vielen mehr.

Die Gruppe Flamingogeschwader 63 bei ihrem poetischen Auftritt. Foto: Maximilian Enderling

Impressionen von Hannes Fuhrmann

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