LEIPZIGER STRASSENTHEATERTAGE finden wieder 2020 statt!!!!

13. Leipziger Straßentheatertage
vom 11. bis 13.September 2020

13.Leipziger Straßentheatertage dürfen stattfinden.

Vom 11.-13.September 2020 kommen internationale Künstler und Lokalmatadoren in der Innenstadt (Grimmaische Str.) zusammen, um die Passanten zum an- und innehalten zu bewegen.

Dabei treffen sich weltweit bewährte Straßenkünstler und Gruppen aus dem Amateurbereich. Eine bunte Mischung aus Maskentheater, Artistik, Akrobatik und Clownerie wird die Passanten zum Lächeln und Lachen bewegen.

In diesem Jahr wird das kleine Festival vom LATS e.V. (Landesverband für Amateurtheater Sachsen) veranstaltet und vom Kulturamt Leipzig gefördert.

Der genaue Auftrittsplan mit den auftretenden Künstlern, wird bis spätestens Mitte August auf https://knalltheater.de/strassentheatertage-2/ und auf https://amateurtheater-sachsen.de/, veröffentlicht.

 

Rückblick 12.Straßentheatertage

Die 12. Leipziger Straßentheatertage fanden vom 7. bis 9.Juni 2018 im Zeitraum 15 bis 18 Uhr auf dem (erstmalig) Augustusplatz (Gewandhausseite) und in der Innenstadt (Petersstraße/Grimmaische Straße) statt und am 10.Juni 11 Uhr mit einem Kinderprogramm im Klara-Park

Bericht über die 12. Leipziger Straßentheatertage
Heiße Pflaster, schwitzende Künstler und glückliche
Passanten

Von Tapferen, die der Sonne trotzen
Die im Vorfeld mit kleineren konzeptuellen Änderungen vorgesehenen
Straßentheatertagen sahen in diesem Jahr einen Hauptspielort vor: der Augustusplatz auf
der Gewandhausseite, geschmückt mit einem eigens dafür aquiriertem Coffeestand.
Aufgrund eines Zugausfalles verzögerte sich die Eröffnung mit den Hofnarren aus Halle
um eine halbe Stunde, was jedoch, außer den Medien (MDR-Sachsenspiegel und LVZ)
niemand auffiel, da sich weder zur geplanten Eröffnung um 15 Uhr, noch eine halbe
Stunde später eine große Menge an Interessierten versammelte, denn es war einfach zu
heiß. Die Hofnarren eine Theatergruppe mit Spielern aus dem Förderwohnheim
Akazienhof trotzten der Hitze, schlüpften mutig in ihre Plastikkostüme und spielten ihr
Stück „Vögel füttern Menschen füttern Vögel“ unter widrigsten Bedingungen vor rund zehn
Zuschauern durch, etwas chaotisch, aber konsequent.
Zur Belohnung ging es dann für die Gruppe in den Schattenbereich, da nämlich hatte sich
schon das Duo Four String Company bereit gemacht für ihre musikalisch, akrobatische
Performance zum Thema Zweisamkeit. Gekonnte Partnerakrobatik mischte sich mit
träumerischen Geigenmelodien zu einer Geschichte die einen Hauch Vagabundenleben,
Freiheit und Sommer versprühten und eine ordentliche Menge an Passanten zum Stehen
und Staunen motivierte.

Widrigkeiten auf der Straße
Schwerer hatten es Komiker Jochen Falk und das Puppetto-Figurentheater aus Bürgel
eine größere Menge um sich zu versammeln. Straßentheater hat seine eigenen Gesetze.
Trotz alledem blieb beim Figurentheater eine gute Handvoll lachender Kinder stehen und
auch der ein oder andere Passant freute sich über die ein oder andere Zote. Zudem
ergänzte das Figurentheater die Farbschatulle der diesjährigen Auflage mit Puppentheater.
Aus Chemnitz reiste die Performancetanzgruppe NARI an, bestehend aus iranischen
Flüchtlingen. Zweimal zeigten sie ihre sehr bewegende Performance, in weißen
Kostümen, fast ohne Musik und bauten nicht, wie die bewährten Straßenkünstler auf
bekömmliche Unterhaltung, sondern setzten sich in ihrer Show mit der Thematik Krieg,
Heimatlosigkeit und Fremde auseinander. Überzeugend, berührend und gekonnt trugen
sie ihre Performance vor und eroberten sich eine respektable Menge in der Passage.
Ebenso wie die auf den Straßen Europas bewährte One-Woman-Company, in diesem Jahr
mit Partner als Kokolores angetretene Künstlerin. Sie lieferte ein Vorzeigebeispiel dafür,
wie man es schafft die Menschen zum Stehenbleiben zu bewegen. Mit Witz, Frechheit und
Charme. Da wird einer Zuschauerin das Eis weggenommen, an geleckt und
weitergereicht, Vorbeilaufende werden lautstark zur Umgehung ihrer mit Warnhütchen
aufgestellten Spielfläche bewogen und mit kleinen Animationen zum Lachen bewegt.
Die Show selbst feierte ihre Premiere und zeigte neben bewährten Klischees
(Bodybuilderposen, konkurrenzstarkes Buhlen um die Gunst der Zuschauer) akrobatische
Einlagen auf dem Kunstrad. Die zahlreichen Zuschauer erlebten täglich die „Grand Tour
de Friends“, französisches Flair und leichte Unterhaltung.

Knutscheinlagen und eine Lampe
Am nächsten Tag bereicherten das Clownduo Compagnie Lapadou und das
Maskentheater Utecht und Philine das diesjährige Programm. Beide waren mit ihrem
Programmen schon bei vergangenen Straßentheatertagen in Leipzig vertreten, aber noch
nie so reif und ausgefeilt wie in diesem Jahr.
Die clownesken Einlagen von Lapadou stimmten bis ins Detail, die Annäherungsversuche
der Clownin an den Clown, das schließlich in einer kindgerechten Knutschorgie endete,
erzeugte bei dem vorwiegend jungen Publikum Lachtränen.
Das Maskentheater Utecht und Philine, zwei mit Larven bestückte Handwerker, die in
einem Zimmer eine Lampe anbringen sollten, hier aber mit Widrigkeiten wie der
Deckenhöhe und den richtigen Umgang mit der Leiter zu kämpfen hatten, holten sich
schließlich Hilfe aus dem Publikum und scharrten während ihrer Show mehr und mehr das
Publikum um ihren mit einem Schlauch abgedeckten Spielraum.
Jochen Falk kämpfte hingegen weiter mit den Zuschauerzahlen und steigerte sich von 5
auf 7 auf individualrekordverdächtige 30.

Furioses Finale
Am Samstagabend gab es dann eine Gala auf dem Hof der Feinkost. Mit „Allerlei
Gaukelei“ betitelt traten die Hauptakteure der diesjährigen Straßentheatertage mit
Auszügen aus ihren Shows auf und sorgten für einen witzigen, abwechslungsreichen und
kurzweiligen Abend vor über 120 Zuschauern, die dann entweder aufgrund des
einsetzenden Starkregens oder vor Ergriffenheit gar nicht mehr gehen wollten.
Ihre Begeisterung zeigten diese in dem gut gefüllten Hutgeld, das auf der Straße allerdings
in diesem Jahr recht mager ausfiel.
Märchenerzählerin Ilonka Struve sorgte dann am Sonntag im Park für über 80 verzauberte
Kinder- und Familienaugen. In ihrem Schlossmärchen bricht die Prinzessin mit der Etikette
der Adligkeit und besucht zum Entsetzen ihrer Eltern eine Schule. Begeistert hörten die
Kinder dem Märchen zu, die Eltern tönten Geräusche wie Schnarchen und Staunen mit
und am Schluss durften die Kinder die historischen Kostüme anprobieren.
Ein überaus gelungener Abschluss.

Freude über Chaos
Summasummarum war die 12.Auflage gelungen. Etwas chaotisch zwar, weil die geplanten
Orte und zum Teil auch deren Zeiten den gegebenen Umständen angepasst wurden, was
es für den gezielt suchenden Passanten schwer machte.
Dafür gab es mit der Gala einen grandiosen Abschluss, ebenso mit dem Kinderprogramm
am Sonntag.
Es gibt so Vielen zu danken. Alle voran den aufopferungsvollen Helfer wie Jule, Marie,
Joana, Nathanael, Vreni und Anja, der Moritzbastei für die Bereitstellung eines Raumes für Umzüge, Sisu
vom Kinderbuchladen Serifee für ihre spontane Unterstützung der GALA, Sindy von den
Cammerspielen für die Bereitstellung einer Unterkunft, der Firma Kronfink für ihren
kostenlosen Druck und ihrer schnellen Loyautgestaltung, der Feinkostgenossenschaft,
allen Unterstützern auf Visionbakery, dem Büro für Darstellende Kunst Sachsen e.V. und
vielen vielen mehr.

Die Künstler

Jochen Falck – Komiker, Entertainer und Scherzkeks (Berlin)

Humor direkt vom Erzeuger. Fairtrade und naturtrüb!Immer wenn Jochen Falck auftritt, hinterlässt er eine tiefe Schneise der Begeisterung. Dabei verbindet er humorvolle Artistik und artistischen Humor, zu einer begeisterndenden Mischung. Für seine einzigartige Musical Comedy wurde ihm 1998 beim Festival „Le feux de la rampe“ in Paris der Preis für die originellste Darbietung verliehen. Er war mehrmals im Fernsehen (Comedy Tower/HR, Comedy Contest/NDR) in zahlreichen Varietéshows und in acht Produktionen Darsteller bei den Störtebeker-Festspielen auf der Insel Rügen.
Jochen Falck verbindet Artistik, Musik und Comedy zu einer einzigartig charmanten Mischung. Er ist ein virtuoser Spinner. Er tut Dinge, dass man sich fragen muss, warum andere das nicht auch so machen. Aber dafür gibt es wiederum Gründe. Zum Beispiel erhielt er beim Varietéfestival „Les Feux de la Rampe“ in Paris den Preis für die originellste Darbietung. Beim Kleinkunstpreis erhielt er den Publikumspreis und den 2.Platz der Jury zeitgleich! Seitdem lebt er nicht nur in Berlin, sondern auch in Saus und Braus. Nachdem Jochen Falck im Varieté Chamäleon Berlin, bei den Störtebekerfestspielen auf Rügen, im Schmidt Theater Hamburg, bei SAT.1 Comedy und in der ARD „Wunschbox“, HR „Comedy Tower“ und NDR „Comedy Contest“ war, kommt er nun endlich zu Ihnen, um die Stimmungskanone abzufeuern.

 

Maskentheater Utecht & Philine (Berlin/Leipzig)

 https://www.utecht-philine.com/

Titel: Alles nach Plan

Kurze Beschreibung: Ein Umzug. Zwei Profis. Albi und Josi, das eingespielte Umzugsteam, machen sich in dem Stück „Alles nach Plan“ entschlossen an die Arbeit. Sie hat den Plan, den Mut und den Überblick. Er gibt sein bestes und versucht in aller Ruhe und Gewissenhaftigkeit seine Aufgaben zu meistern. Und
doch, alles geht schief. Nichts läuft planmäßig. Eine Leiter und zahlreiche Umzugskartons bieten
den beiden Umzugsprofis die Möglichkeit mit viel Witz und ausgefeilten Ideen ihr handwerkliches
Geschick und ihre Zusammenarbeit unter Beweis zu stellen. Slapstickartig, wird die Bühne zum
Chaos. Ein humorvolles Stück für Jung und Alt.

VideoLink: vimeo.com/240164225 http://vimeo.com/200570114

Dauer der Darbietung: ca. 25 min

 

Compagnie Lapadou (Düsseldorf)

http://www.lapadou.de

Titel: „Koffer packen!“

Kurze Beschreibung: Zwei Figuren begegnen sich ganz unerwartet an einem belanglosen Ort. Die Begegnung entwickelt sich schnell zu einem rasanten Spiel, in dem das Interesse für den anderen und dessen Besitztümer nicht größer sein könnte. Die eine oder andere Lappalie beim unscheinbaren Annähern an den anderen bringt vor allem Tine in größte Konflikte. Clown Nieb ist zwischendurch eher zum Weglaufen zu Mute, doch auch dies soll ihm nicht gelingen. Eine Mischung zwischen Poesie und clowneskem Witz erwartet den, der sich entscheidet dieses Fiasko mitzuerleben.

VideoLink: https://youtu.be/zU_g9W0iKSk

Dauer der Darbietung: ca. 24 Minuten

Webseite: https://m.facebook.com/FourStringCompany/

 

Four String Company (Halle)

Titel der Darbietung: MAX i FELIX

Kurze Beschreibung: 4 Hände, 4 Saiten, eine Idee. The Four String Company erzählt mit ihrer 25 minütigen Straßenshow „MAX i FELIX“ von 2 Menschen, die versuchen eine Symbiose ihrer beider Leidenschaften zustande zu bringen: Akrobatik und das Geigenspiel. Alltäglich, komisch, poetisch und konfliktreich steht das Verhältnis von Musik und Bewegung im Vordergrund, wobei das Publikum eingewoben wird in zwischenmenschlichen Emotionssalat.

VideoLink: https://drive.google.com/open?id=1nRQ5qUH8iWVI14gdGpO8_YR2a_EWp-I9

Dauer der Darbietung: 25 Minuten (oder kürzer, je nach Bedarf und Publikum 😉

 

Kokolores (Berlin)

www.kokolores.club

Titel: Le Grand Tour de Friends

Kurze Beschreibung: Der Startschuss fällt und die Show beginnt… Zwei Rivalen messen sich während der „Grand Tour de Friends“ !
Die Gegner setzen alles daran dem anderen den Sieg zu vermiesen. Dafür ist natürlich jedes sportliche oder gar unsportliche Mittel recht, ganz im Sinne: der Einfallsreichere gewinnt.
Durchzogen von Akrobatik auf dem Fahrrad, viel Humor und jeder Menge Kokolores, steht für jeden Zuschauer von Anfang an fest, wer sein Favorit ist.
Erleben Sie Zirkus und Humor in dieser einzigartigen Show und seien Sie gespannt auf ein großartiges Finale.

Dauer der Darbietung: 35min

 

Die Hofnarren (Halle)

https://www.paul-riebeck-stiftung.de/behindertenhilfe/fuer-menschen-mit-geistigen-behinderungen/theatergruppe-die-hofnarren/

Die Hofnarren aus Halle eröffnen das kleine Festival mit ihrem Kurzstück: Vögel füttern Menschen füttern Vögel. Dabei fliegen, fluchen, schießen und tanzen sie…

 

Puppetto Figurentheater (Bürgel)

Das „PUPPETTO – Figurentheater Bürgel“ existiert seit 2013 und ist seit Ende 2015 in der berühmten Töpferstadt beheimatet.

https://www.youtube.com/channel/UC7bmC9Ojwki35OpBKJLowjw

 

NARI-Performance (Chemnitz)

Eine Performancegruppe aus Chemnitz, deren Performer einen migrativen Hintergrund haben. Ihre Lebens- und Erfahrungswelten werden in ihrer Performance erfahrbar gemacht. Es wird spannend!

 

Märchenerzählerin Ilonka Struve (Weißenfels)

Märchenerzählerin Ilonka Struve aus Weißenfels begeisterte schon in den vergangenen zwei Jahren die Kinder und Erwachsenen mit ihrem interaktiven Schlossmärchen. Hier werden die Zuschauer zu Prinzen, Prinzessinnen, Königen und Hofnarren.

Auf Visionbakery/Straßentheatertage (http://www.visionbakery.com/strassentheater) können Sie die Leipziger Straßentheatertage unterstützen.

Wir freuen uns über jeden Cent. Danke!!!!!!!!!!!

Rückblick Straßentheatertage 2017
Von Clowns, Musik und Kreidekreisen

mephisto 97.6-Redakteur Maximilian Enderling hat sich auf die Leipziger Straßentheatertage begeben, um herauszufinden, was Straßentheater so zu bieten hat (zum Radiobeitrag)

Straßenmusiker kennt jeder. Unter StraßenTHEATER kann man sich schon weniger vorstellen. Dafür finden seit 2007 die Leipziger Straßentheatertage statt, vergangenes Wochenende zum elften Mal.

Es war einmal ein warmer Sommertag in der Leipziger Innenstadt. Ein Dutzend schräge Gestalten treiben sich mit Bollerwagen voller Requisiten auf der Grimmaischen Straße herum und sprechen vorbeilaufende Passanten an. Entweder mit Worten oder stumm mithilfe ausladender Gesten. Manche tragen Kostüme, andere sehen ganz durchschnittlich aus. Eines verbindet sie jedoch alle: Sie brechen mit der Banalität einer Einkaufsstraße und schaffen durch ihre Performances kleine Inseln für Kunst. Denn all diese ungewöhnlichen Gestalten sind wegen den 11. Leipziger Straßentheatertagen hier. Ich nehme in der Fußgängerzone Platz und lasse mich von ihnen entführen.

Flamingogeschwader 63

Die erste Performance, welche ich mir heute ansehe, ist die Leipziger Gruppe Flamingogeschwader 63 . Sie haben die Kunstfigur Ernst-Rocco Schiffer-Sehbrecht mitgebracht, einen Dichter vom fiktiven „Institut für postmoderne interpassive Lyrik und dramatische Poesie Plauen“, darauf muss man erst mal kommen! Volle 3 Stunden wird hier absurde Lyrik vorgelesen, begleitet von schiefer Flötenmusik. Der Rezitator sitzt mit Sakko auf einem billigen grünen Campingstuhl und macht einen sehr wichtigen Gesichtsausdruck. Auf Dauer ist mir das Ganze allerdings zu anstrengend. Ich laufe ein Stückchen weiter die Einkaufsmeile herunter.

Die Gruppe Flamingogeschwader 63 bei ihrem poetischen Auftritt. Foto: Maximilian Enderling

Umamidancetheatre

Hundert Meter weiter spielt gerade das Tanzduo Umamidancetheatre , bestehend aus dem kleinen Madrilenen Gustavo Hoyos alias „Papi Kaos“ und dem athletischen Jerome Leperlier alias „Chocolate Sexy“ aus Réunion. Die beiden verbinden in ihrer Show klassischen Breakdance mit Pantomime und Slapstickhumor. Szene für Szene werden Groß und Klein zum Lachen animiert. Die beiden Tänzer haben eine Stunde durchchoreografiert, inklusive zeitlich pointierten Soundeffekten zur Untermalung von Schlägen und Ähnlichem. Das Ganze hat irgendwie etwas von Tom und Jerry.

Die Performance bringt immer mehr Passanten zum Verweilen. Mehr als 80 stehen zwischenzeitlich im Kreis um die beiden herum und schauen begeistert zu. An Ernst-Rocco Schiffer-Sehbrecht waren die meisten eher mit irritiertem Blick vorbeigelaufen. Als das Umamidancetheatre fertig ist, gibt es lauten Applaus von allen Seiten. Ich unterhalte mich kurz mit Gustavo und Jerome über ihre Performance, dann ziehe ich weiter.

Compagnie Lapadou

Nach einer kleinen Eispause schaue ich dem Clownduo Lapadou bei ihrer Vorbereitung zu. Es wird sich traditionell geschminkt. Man setzt auf rote Nasen, hochfrisierte Haare und viel zu weite Hosen. Im Gespräch verraten mir die beiden, dass sie diplomierte Clownschauspieler sind. Wie man dazu kommt? „Weil Clowns die Herzen öffnen“ lautet ihre Antwort!

Die Show geht damit los, dass mit Kreide ein Halbkreis gezogen wird. Bis dahin und nicht weiter. Dann werden Kreidekreise an der Linie entlang gezogen, einer nach dem anderen. Eine der beiden Clowns hält Passanten an und setzt sie in die Kreise. Ohne, dass es eines Wortes bedarf, ist klar: Da muss man jetzt bis zum Ende sitzen bleiben! Die Show selbst wartet dann vor allem mit vielen kleinen, eher klassischen Sketchen auf. Das gefällt vor allem den zuschauenden Kindern. Sie haben einiges zu lachen und auch ich habe meinen Spaß.

Chabela Poderosa

Der letzte Act, den ich mir heute ansehe, ist die Wienerin Chabela Poderosa . In ihrer Heimatstadt war sie Schülerin des legendären US-amerikanischen Clowns Jango Edwards und ähnlich derb wie bei ihm geht es auch in ihrer Show zu. Sie steckt in einem glitzernden Superheldenoutfit und kämpft mit ihrem (als mexikanischen Wrestler verkleideten) Rollkoffer. Dann wirft sie zum Gesang der Minions Bananen ins Publikum und springt zum Abschluss noch in ein winziges Planschbecken. Das Ganze ist noch abgedrehter als das Flamingogeschwader und es bleiben kaum Passanten bei der Performance hängen. Mich hat es leider auch nicht überzeugen können, aber ich bin gespannt, was mich morgen erwartet.

Monsieur & Pianistin Nora Born

Mein Highlight ist gefunden! Der Clown Monsieur nimmt einen mit in eine andere Zeit. Geschminkt nur mit dunklen Augenringen über einem kleinen Moustache, einem Hemd mit schwarzer Fliege und Hosenträgern und einer irgendwie zackigen Bewegungsweise, die grob an Charlie Chaplin erinnert, ist man mit ihm wieder am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Er guckt grimmig, bedroht das Publikum mit einem Revolver und ist trotzdem (oder gerade deswegen?) urkomisch! Am Miniaturflügel begleitet ihn Nora Born musikalisch und macht das Stummfilmfeeling perfekt. Es wird auf einem Seil getanzt, jongliert und natürlich ganz viel mit dem Publikum interagiert. Letzteres kann einem ein Film natürlich nicht geben.

Im Gespräch erzählt mir Monsieur in feinstem Berlinerisch von der Nostalgie eines Clowns nach russischer Tradition, von der Wichtigkeit der Livemusik für Straßentheater, von kommunalen Repressalien gegen Kunst im öffentlichen Raum und davon, dass Leipzig in der Clownszene ein eher kleines Licht ist. Auf meine Bitte, er möge sich zum Abschluss noch mal vorstellen, geht er einen Schritt nach vorne. Es braucht ein paar Sekunden, dann verstehe ich und muss herzlich lachen. Den Gag muss ich mir definitiv merken!

CamüVelü

Nachdem ich Larsen Sechert, Leiter vom Leipziger Knalltheater und Initiator der Straßentheatertage, auf ein paar Fragen zur Entstehung des Festivals getroffen habe, gehe ich weiter zur letzten Performance, welche ich mir heute ansehen werde. Wieder ein Duo, bestehend aus Pantomime und Hula-Hoop: CamüVelü . Im Mittelpunkt steht bei beiden Künstlern erst lange der Reifen, dann wird in gelber Fischerkluft die Jagd nach Moby Dick nachgespielt. Das Publikum darf dazu aus PET-Wasserflaschen eine spritzende Gischt beitragen.

Die beiden hinterlassen leuchtende Kinderaugen, ich selbst bin aber mittlerweile in Sachen Clownerie mehr als gesättigt. Bis zu der Neuverfilmung von Stephen Kings „Es“ im September zumindest. Die Leipziger Straßentheatertage haben allerdings nicht versäumt, mich zu begeistern. Hoffentlich bereichern sie die Leipziger Innenstadt auch im kommenden Jahr wieder!

Impressionen von Hannes Fuhrmann