Rückblick Straßentheatertage 2011

stt-2011

Presse:
aus der Zeitung heute! Leipzig:

Geld verdienen Sie woanders
Spannende Straßentheatertage ab Donnerstag
„Professionelle Gaukler haben mir mal erzählt, dass sie Leipzig zum Ausprobieren von Nummern und kleinen Programmen nutzen und zum Geld verdienen in andere
Städte fahren“, erzählt Larsen Sechert vom Knalltheater. Trotzdem hat er auch dieses Jahr wieder die Straßentheatertage organisiert, die vom kommenden Donnerstag bis Sonntag die Leipziger in der Innenstadt zum Staunen und Lachen bringen wollen. Doch Leipzig ist eben sehr geschäftig – geschäftiger als klassische Touristenstädte. Passanten wahren hier meist einen relativ großen Abstand. Doch den Teilnehmern der Straßentheatertage macht das nichts aus. Mit Iskra, der Theatergruppe St. Michael, Theater Light, Knalltheater, Karakolclown, der TanzCompany der JSB, den Cammerspielen, der Improgruppe VierVolt, Heimspiel, den Streetslammern, Schillers Erben, der Jugendtheatergruppe vom JuKuWe (Jojo), eventuell. noch Clown Gerno Knall und den Clowns und Clowns haben so viele Teilnehmer wie noch nie zugesagt.

Wichtig ist jetzt vor allem, dass das Wetter mitmacht. Nur dann verweilt das Publikum auch länger. Je mehr Beteiligte und je lauter die Aktion, desto mehr Zuschauer bleiben stehen. Für alle, die mitmachen, steht dabei der Verdienst nicht im Vordergrund. Stattdessen wird besonders gern auf eigene Stücke hingewiesen. „Bei uns, dem Knalltheater, ist die Folgewirkung durchweg positiv. Wir haben keine genauen Zahlen, wurden aber zu Straßentheaterfestivals und anderen Veranstaltungen eingeladen, weil man uns auf der Straße gesehen hat. Ähnlich ging es auch anderen Teilnehmern“, weiß Larsen Sechert. Er freut sich darum schon jetzt auf Donnerstag, wenn Künstler das Straßenbild erobern. Die Reaktionen der Passanten und spontane Situationen wenn ein Kleinkind durch die Aufführung läuft und die Requisiten klaut, gehören für ihn zu den kleinen unvergesslichen Erlebnissen, die ihn jedes Jahr aufs Neue motivieren, an den Straßentheatertagen teilzunehmen. Eine kleine finanzielle Unterstützung gab es dieses Jahr vom Sächsisches Ministerium für Wirtschaft und Kultur, dem Landesverband für Amateurtheater e.V. und dem Netzwerk Vision Bakery. Artikel aus heute! Leipzig Text: st

Teilnehmer 2011:

  • Iskra mit ihrer legendären Straßenshow um Horrible Horst und Incredibel Ingo
  • Knalltheater mit der „Taubenfütterung“ und einem „Konzert für Gehörlose“
  • Schillers Erben mit Fluchtszenen und Pantomime
  • Karakolatheater mit eine politischen Satire
  • Theatergruppe der Werkstatt St.Michael (dem Gewinner der diesjährigen Goldenen Spule im Spinnwerk) mit einer Szene um Außerirdische
  • Clown Gerno Knall mit inkompetenten Zirkusnummern Die Streetslammer aus Leipzig und Dresden Jugendtheatergruppe der Jugendkulturwerkstatt Südost (Jojo) mit kurzen Szenen Theaterlight mit Auszügen aus ihrer Sommertheaterinszenierung Casablanca reloaded Improgruppe der Cammerspiele VierVolt Markus Taubert mit Walking Act

Bericht von Juliane Gansera (VisionBakery)
́Horrible Horst und Incredible Ingo erobern Leipzig Die 5. Leipziger Straßentheatertage begeistern mit Witz und Charme

Im März suchte das Leipziger Knalltheater bei der VisionBakery erfolgreich Unterstützer für die 5. Leipziger Straßentheatertage. Vom vergangen Donnerstag bis Sonntag mischten die Künstler die Leipziger Innenstadt mit Clownerie, Pantomime und Gaunereien auf und trieben so manchem Passanten den Schweiß auf die Stirn. Was ihr verpasst habt, wenn ihr nicht da wart und wohin die Leipziger Stadtkasse verschwunden ist, erfahrt ihr hier.

Das kommt euch Spanisch vor? Uns auch! Aber worüber er sich auch immer beschwert hat, Karakola hat es eben nicht leicht. Da ist zum Beispiel sein widerspenstiges Gepäck, das ihm nichts als Ärger beschert. Der Koffer ist alt und aus abgewetztem Leder. An einigen Stellen wurde er bereits mit Klebeband repariert. Aber trotz seines reifen Alters ist das gute Stück schelmisch veranlagt. Kaum geht Karakola auf ihn zu, rollt er fröhlich in die entgegengesetzte Richtung. Seine blauen Augen hüpfen mutwillig auf und ab, als wolle er Karakola zuzwinkern: „Du bekommst mich nicht!“ Will sein Besitzer resignieren, bleibt der Koffer stehen und wartet zum heimlichen Vergnügen der zahlreichen Kinder, bis der tragische Clown sich fast auf Griffnähe genähert hat. Aber damit nicht
genug. Selbst der Bus hat sich gegen Karakola verschworen. Immer wieder durchkreuzt die Linie 89 seine Pläne. Der Spanier mit den zu groß geratenen Schuhen erträgt es mit stoischer Ruhe und erhebt jedes Mal die Hand zum freundlichen Gruß, sehr zur Freude der Fahrer. In einer dieser kurzen Verschnaufpausen gelingt es ihm schließlich auch seinem aufsässigen Koffer Herr zu werden. „Puh, das wäre geschafft!“ Doch kaum ist das eine Problem gelöst, sieht sich der Arme mit einer neuen scheinbar unlösbaren Aufgabe konfrontiert. Seine Fackel will einfach nicht brennen! Mitleidig schauen einige Passanten zu wie der Wind die Funken ausbläst. Als die goldgelbe Flamme endlich aufleuchtet, ist Karakola am Ziel. Zufrieden nimmt er seine Laterne, öffnet das Türchen und entfacht das kleine Teelicht. Jetzt kann die Show beginnen!

Ich schlendere weiter die Grimmaische Straße entlang in Richtung des Universitätsgebäudes, während Karakola zu einem Vortrag über die Demokratie ansetzt. Zwischen Schuhladen und Warenhaus steht Konrad Gerber von Streetslammer an einem hohen, weiß gestrichenen Pult – bereit zum Kampf mit Wort und Feder. Sein Gegner im Poetry-Slam, Franz Friedrich, sitzt im Hintergrund und lauscht bedächtig den Worten des Konkurrenten. Gewinner ihres lyrischen Wettstreits soll derjenige werden, der am Ende das meiste Kleingeld im Hut hat. Während Konrad über die Bedeutung des Teams und Oliver Kahns „cojons“ philosophiert, setzt sich sein Rivale Franz Friedrich mit dem langersehnten Erlebnis einer Personenkontrolle poetisch auseinander. Zwei Meter von der improvisierten Bühne entfernt steht eine Frau und übersetzt das Vorgetragene simultan in Gebärdensprache – sehr zur Freude der beiden Jungphilosophen. Interaktivität einmal anders gelebt.

Während die beiden Streetslammer vortragen stehen Horrible Horst und Incredible Ingo von Iskra – der Funke bereits in den Startlöchern. Mit ihren schwarzen Hosen, weißen Shirts, roten Hosenträgern und dunklen Melonen wirken sie wie ein charmantes Überbleibsel aus den zwanziger Jahren. Die beiden Gauner, die u.a. bei Supermann in die Schule gegangen sind, erzählen von ihrem letzten ausgebufften Coup: dem Raub der Leipziger Stadtkasse. Wie die Geschichte verläuft, bestimmt das Publikum: „Sie dürfen jetzt wählen, wie es weitergeht. Möchten sie A: Wissen, was in der Stadtkasse ist? oder B: erfahren wie wir die Stadtkasse erbeutet haben?“ Das Publikum grölt und entscheidet sich für letztere Variante. Wie die Geschichte weitergeht, könnt ihr hier im Video nachschauen:

Nachdem die Gauner sicher ihr Versteck erreicht haben, öffnet das Duo erwartungsvoll die Truhe. Doch ein kurzer Blick in die Gesichter, lässt nichts Gutes vermuten. Die Kiste ist zwar nicht leer, aber… „Warum musstest du denn nur die Werkzeugkiste einpacken?“ fährt Horrible Horst Ingo verzweifelt an, bevor er mit der Auflösung der gemeinsamen Räuber-Bande droht. Doch soweit kommt es glücklicherweise nicht. Zwar bekämpfen sich die beiden Schurken wütend in einem Junglage-Duell und ein kleiner Knirps sieht sich gezwungen, engagiert dazwischen zu gehen als Incredible Ingo gar droht Horrible Horst ein Bein abzuhacken, aber am Schluss versöhnen sich die Beiden doch wieder. Die Gruppe der Zuschauer ist inzwischen beständig gewachsen, vor allem die Kleinen bangen um ihre Helden und fiebern mit dem Schicksal der tollkühnen Banditen mit. Bei der unausweichlichen Zugabe schnappt sich Incredible Ingo eine Passantin und steckt der verdutzt schauenden jungen Frau eine Knabberstange in den Mund. Dann fliegen die brennenden Fackeln von einem zum anderen, immer knapp am Körper der stocksteif stehenden Leipzigerin vorbei. Die kneift die Augen zu und wagt es kaum zu blinzeln, während die Zuschauer, die fünfzehn Fackelwechsel herunter zählen: „Zwei, Eins, Null. Krach!… Ahhhh!“ Das Publikum schnappt nach Luft, die junge Frau zuckt zurück und die Knabberstange in ihrem Mund ist halbiert. Die Menge bricht in tosenden Beifall aus, das Spiel ist aus.

Rückblick Straßentheatertage: 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007