Rückblick Straßentheatertage 2009

Leipziger Straßentheatertage vom 9. bis 12. Juli 2009

Mit dabei waren:

  • die Gauklergruppe Iskra
  • Knalltheater
  • Ballakrobat Philipp Astor
  • Angie Rechlin alias Clown Jacky Puff
  • Flo Teller
  • Clown Brause
  • Theatergruppe sprachlos
  • Clowns & Clowns e.V.,
  • u.a. Gäste zum Beispiel eine Clowngruppe, die aus einem Kurs von Clowns & Clowns hervorgegangen ist.

Presse:

„(…) Straßentheater findet im öffentlichen Raum statt, unter freiem Himmel wird der Vorübergehende zum Zuschauer. Was in Städten wie Naumburg und Görlitz bereits etablierte Festivals sind, ist in Leipzig zum dritten Mal zu sehen. Vom Knalltheater und dem sächsischen Landes-Amateurtheater-Verband angestoßen, treten verschiedene Künstler ohne Gage auf, um sich vor dem Publikum zu bewähren. Denn das kann jederzeit fortgehen. Ehrlicher kann Kunst kaum sein: Um einen kleinen Obolus wird erst nach der Aufführung gebeten – ohne Verpflichtung. (…)“

Tobias Prüwer in LVZ am 13. Juli 09

Bericht Straßentheatertage 2009:

Straßentheater und der Regen

Das Programm
Zu den 3. Leipziger Straßentheatertagen meldeten sich, beinahe allesamt kurzfristig, 10 Teilnehmer, mit Einzelkünstler, an. Das Programm klang verheißungsvoll. Von Clownerie, die von den Programmpunkten her überwog, dargeboten vom Clowns & Clowns e.V., einer Clownsgruppe, die sich aus einem Workshop mit Anne Buntemann heraus bildete, über Philipp Astor, der aus Gummersbach anreiste, weiter mit Wiedertäterin Clown Brause, die auch schon im vergangenem Jahr glänzte bis hin zum Knalltheater, die mit ihrer uneinstudierten Taubenfütterung schon im letzten Jahr für Lacher, aber auch Irritationen sorgten. Daneben bereicherten die, nicht weniger komischen Gaukler von Iskra und Soloanimateur und Jongleur Flo Teller das Programm. Kurzfristig meldete sich auch die Gruppe Sprachlos von Regisseur Tom Bailey an und präsentierte eine 15minütige, klamaukige Fassung von König Drosselbart. Ins Wasser gefallen ist leider das musikalische Programm vom Künstlerduo Trautes Heim.

Große Trauben und viele Tropfen

So begannen am Donnerstag die Clowns und Clowns entlang der Grimmaischen Straße herumzuclownern und Flo Teller mit seiner Show Trauben bis zu 80 Zuschauern um sich zu versammeln und die zwei schrägen Vögel vom Knalltheater den Innenstadtbesuchern klar machten, dass hier irgendwas ist. Alles war wunderbar, alles lief nach Plan. Dann kam der Freitag und vieles viel ins Wasser. Regenbedingt verschoben und reduzierten sich die Programmpunkte sowohl zeitlich als auch örtlich. Einzig die Clowns und Clowns hielten tapfer durch und Clown Jacky Puff präsentierte sogar noch ihre Leiternummer und sorgte damit für sonnige Momente während des kalten Regens.

Weggespült

Der Samstag, wies laut Planung die meisten Programmpunkte auf, begann wunderbar, wenn auch verzögert. Hier bildeten sich bei den wunderbar skurrilen Gauklern von Iskra jeweils Trauben von rd. 100 Leuten. Sie präsentierten einen Impromix mit Zuschauerbeteiligung aus Akrobatik, Artistik und Comedy. Die Lacher der Zuschauer schallten mindestens 200 Meter weit. Auch Sprachlos lockte (die Wolken wurden immer dunkler) rd. 80 und mehr Leute zu ihrem 15-  minütigen König Drosselbart. Dann trat Philipp Astor an und es begann zu regnen. Die Clownsgruppe indessen improvisierte in der Grimmaischen Straße weiter. Bei deren Aktionen blieben zwar nicht so viele Besucher stehen, aber die, die vorbei liefen, vorwiegend die Kinder, wechselten ihre Mine von ernst zu fröhlich; immerhin.

Dann regnete es so doll, dass sowohl Iskra einpackte und auch Sprachlos und das Knalltheater nicht noch mal antraten. Das Künstlerduo Trautes Heim sagte kurz vor Beginn ab. Sie fürchteten dass ihre Technik kaputt gehen würde. Vollkommen verständlich.
Dafür, außerplanmäßig, pantomimte noch mal Philipp Astor von rd. 18.10 bis 18.40 Uhr. Da kam dann die Sonne raus, und während seiner Geschichte, die sich in direkter, nonverbaler Kommunikation mit dem Publikum entwickelte und mit Kreidelinien, imaginären Bällen und mimischen Schwimm- und Tauchversuchen angereichert wurde, blieben immer mal hier und da, in großer Distanz, rd. 20 bis 30 Leute stehen…

Der letzte Tag und das gute Ende

Am letzten Tag fielen zwar wieder zwei Programmpunkte weg, trotzdem entstand an diesem Tag der Geruch eines kleinen Festivals. Während beispielsweise Clown Brause mit ihrer Ruhe und Sorglosigkeit – gefühlt –  die halbe Stadt um sich versammelte, machten die zwei Vögel vom Knalltheater um der Ecke herum Blödsinn mit Brot und Clobürsten, indessen kurz darauf Sprachlos die Sonntagsspaziergänger erfreuten und die Clownsgruppe ihre Späße trieben. Und irgendwo belustigte dazwischen Philipp Astor die Fußgänger. Am Sonntag, als die Geschäfte geschlossen waren, nahmen sich die Besucher mehr Zeit stehen zu bleiben, schienen genügsamer und nicht zuletzt auch spendabler zu sein. An diesem Tag – und so sollte es eigentlich auch am Samstag sein – kam keiner der Besucher umhin die Straßenaktionen nicht zu bemerken. So war dann alles versöhnlich.

Im nächsten Jahr werden wir es schaffen, die Innenstadt mit Straßentheater zuzuknallen,so dass niemand umhin kommt Theater erleben zu können.
In diesem Jahr war es (nicht zuletzt aufgrund des Regens) noch zu unauffällig…
Naja! Trotzdem waren es alles in allem wieder mind. 1.000 Zuschauer. Es wären mehr gewesen, aber Wasser von oben ist nun mal wichtig für Pflanzen und Tiere… nur leider nicht für Freiluftaktionen.