Rückblick Straßentheatertage 2008

Teilnehmer

Auftritte vom 17. -20. Juli um 15 Uhr, 16 Uhr und 17 Uhr in der Leipziger Innenstadt

Presse:

Bespielte Straße

„Wenn die Menschen nicht ins Theater kommen, dann kommt das Theater eben zu den Menschen. So oder so ähnlich könnte das Motto des Knalltheaters lauten. Die Truppe veranstaltet die zweiten Straßentheatertage, ein Festival mit neun Gruppen zwischen Clownerie, Gauklerei und Theater, die in der Innenstadt ihre Aufführungen zeigen. Mit wenig Requisiten und viel Spaß am Spiel.“ Leipzig Live

Eine Bühne namens Straße

„Von Donnerstag an gehen einige Off-Ensembles wieder dorthin, wo das Publikum ist, statt in den eigenen vier Wänden auf Zuschauer zu warten: bei den zweiten Leipziger Straßentheatertagen werden Passanten in der Innenstadt mit kurzen Aufführungen überrascht. Nachdem sich bei der Premiere von einem Jahr fünf Theatergruppen mit kurzen Stücken beteiligt haben, sind es dieses Mal schon neu.“ mwö in LVZ v. 15.Juli 08

Die Leute mit Theater bombardieren – Die zweiten Leipziger Straßentheatertage überzeugen durch Vielseitigkeit und ausgeprägte Mimik

„So ganz geheuer schein den meisten Passanten dieser komische Typ nicht zu sein: Wie er da steht, in grüner Jacke und blauer Hose, mit dem Schirm und dem alten Koffer. Und dann holt er auch noch seine Trompete und schafft es nicht, einen einzigen Ton herauszubringen. Doch das gehört alles dazu: Clown Brause ist eben nicht perfekt. Ebenso wenig, wie Straßentheater das sein muss. Denn das macht gerade seinen Charme aus: das alles in jedem Moment umgeworfen und neu arrangiert werden kann, das Publikum einbezogen wird und es auch weiter gehen darf, wenn ihm das Dargebotene nicht gefällt. „Wir möchten uns den Leuten ja nicht aufzwängen“, sagt Sylvia Metz. „Aber viele bleiben stehen, schauen sich das Ganze an und freuen sich“, resümmiert die Pantomimin (…) „Es ist schwierig, wenn man nicht seine gewohnten Requisiten hat“, beschreibt Danilo Riedl, der Auszüge aus der Sommerinszenierung „Ein seltsames Paar“ der Connewitzer Cammerspiele zeigt. „Aber dann muss man halt improvisieren. Auch, weil die Akustik hier sehr schlecht ist.“ Deswegen setzen die meisten Gruppen auf große Gestiken, ausgereifte Mimik und wenig Text. (…) Man erreiche auch Menschen, die sonst nicht ins Theater gehen, weil die Hemmschwelle zuzuschauen geringer sei. Schließlich muss das Publikum nur so lange verweilen, wie es Spaß macht. Und kann dann, ohne Aufsehen zu erregen, wieder verschwinden. Wie auch das Straßentheater selbst, das genauso plötzlich aufhört, wie es begonnen hat.“ Jenifer Hochhaus in LVZ vom 18.Juli 08

Vier Tage Straßentheater in der Innenstadt

DIE Passanten überraschen, zum Anhalten bewegen und für Theater begeistern möchten die Akteure der 2. Leipziger Straßentheatertage. Jeweils ab 15, 16 und 17 Uhr präsentieren die federführende Theatergruppe Knalltheater und viele andere Gruppen mit ganz einfachen Mitteln ihre Inszenierungen. in Leipziger Amtsblatt vo. 12. Juli 08

Bericht Straßentheatertage 08

Die Straße, die die Welt bedeutet – II. Straßentheatertage in Leipzig

Das Konzept

Das Knalltheater initiierte auch in diesem Jahr vom 17. bis 20. Juli die 2. Leipziger Straßentheatertage. Was dieses Festival von anderen, großen wie beispielsweise in Görlitz oder Naumburg unterscheidet, ist die Einfachheit in den Ausstattungen und Mitteln, die die Gruppen und Einzelkünstler aufbieten und die Kürze der gespielten Stücke. Es gab keinen genauen Spielplan, stattdessen nur eine Groborientierung. Die Passanten sollten überrascht werden. Hauptanliegen ist die Leipziger Innenstadt punktuell aus seiner Routine zu reißen, die Passanten zum Anhalten und Innehalten zu bewegen und all denen die aus welchen Gründen auch immer keinerlei Zugänge zum Theater haben, Lust auf mehr machen.

Werbung und Gauklerei

So nutzten einige Akteure die Straßentheatertage um auf ihre Sommertheaterveranstaltungen aufmerksam zu machen, wie die Connewitzer Cammerpiele (jetzt Cammerspiele Leipzig, sie präsentierten Auszüge aus ihrer Männerversion von „Ein seltsames Paar“) und TheaterLight mit Auszügen aus „Hamlet4You“. Beide Gruppen verzichteten auf ihre üblichen Requisiten und kamen dadurch nicht umhin Inszeniertes zu improvisieren. „Anstrengend, hat aber Spaß gemacht.“, so der Kommentar eines Spielers der Cammerspiele. Andere Gruppen zeigten ihre Gauklerkünste, wie die sehr bemerkenswerten Iskra-Akteure mit ihrer gekonnten und frechwitzigen Show „No muscles-no brain“. Hier stolperten die beiden beiden schrägen Zauberer Horrible Horst und Incredible Ingo nicht nur über sich selbst, sondern auch über ihre Assistentin. Ein Stück voll schräg komischer Zauberei, Akrobatik, Jonglage und animierenden Mitmachaktionen.

Clownerien

Wieder andere versuchten mit mehr oder weniger gekonnten Clownerien ein Lächeln in den Alltag der Besucher zu zaubern. So der stille, aktionsarme und gerade deshalb so faszinierende Clown Brause. Er vollbrachte das Glanzstück durch bloßes Dastehen einen Pulk von 60 Zuschauenden um sich zu scharen. Das Knalltheater unterhielten mit ihrer 12 Minutenversion von „König Ubu und Emilia Galoppi“, deren Aktionismus den Inhalt weit überragte, sowie ihrer improvisierten „Taubenfütterung“, zu der sich allerdings keine Taube traute. Weiterhin clownerten die einzigen Nichtleipziger Los Cabrones mit ihrem zwar engagiert gemeinten, aber nicht ausreichend gekonnt gespieltem Kurzstück „Achtung! Shoppen!!“. Die beiden Spieler punkteten aber mit ihrem schrägen Outfit. Sie waren mit Windeln, Gasmaske und reichlich weißer und pinkfarbener Schminke beschmiert. Da blieben die Passanten stehen.

Ein Festival entsteht

Während im vergangenen Jahr die Teilnahme noch recht spärlich war, wuchsen die Straßentheatertage in diesem Jahr zu einem kleinen bunten Festival. Neben den komischen Kurzstücken, der genannten Gruppen bot die Gruppe um Regisseur Tom Bailey ein unterhaltsames Maskenspektakel, das zwar nicht gänzlich frei von moralisierenden Ansprüchen aber nicht zuletzt aufgrund der hohen Anzahl seiner Mitstreiter für Aufsehen sorgte und berechtigt seine Zuschauer fand. Ebenso wie die Studententheatergruppe K-Nu, die erstmal Erfahrungen mit dem Genre Straßentheater sammelten und sich mit ihrem Kurzstück „Lift“ achtbar und tapfer schlugen. Aber es ging konzeptuell nicht um die hohe Kunst, sondern mehr um den Event an sich. Die Idee der Leipziger Straßentheatertage ist inspiriert vom Amsterdamer Foolsfestival der 70er Jahre. Hier traten verschiedene Theatermacher auf, ohne Geld, ohne Konventionen, um alternative Möglichkeiten zu finden sich einerseits künstlerisch untereinander auszutauschen und sich andererseits vor Publikum zu bewähren.

Kulturhelden

So wurden die vier Tage zu einem kleinen Festival das Laien, Amateure und Profis zusammenbrachte. Wobei in der freien Szene in Leipzig hierin nicht so sehr unterschieden wird. Bewähren müssen sich alle. Allen Gruppen ist ein riesiger Dank geschuldet. Ohne Gage – das war nicht selbstverständlich da nicht alle Gruppe wie schon erwähnt Amateurstatus haben und die Leipziger erfahrungsgemäß nur sehr sparsam Geld für Kultur ausgeben – und mitunter mehrmals täglich traten die Straßenakteure auf, belebten die Innenstadt, rissen das alltägliche Treiben aus seiner Routine und erfreuten und überraschten in insgesamt 34 Kurzvorstellungen knapp über 1.000 Zuschauer. Wundervoll!