Buch Stille

Stille – Eine Liebesgeschichte

StilleEine Liebesgeschichte zwischen einem Jungen, der den Schmetterlingen hinterherrennt und einem Mädchen, das mit den Rosenblättern spielt. Beide trennt ein Fluss.

ein A5-Heft, 16 Seiten, Text: Larsen Secher
mit Zeichnungen von Julia Herrmann
Preis: 2 €

 

 

Leseprobe

Bis in den Abend hinein standen das Mädchen und der Junge am Flußufer und sahen sich in die Augen. Zuweilen wehte die Frühlingsluft durch die langen Haare der Seiltänzerin. Die Zeit schien für beide stehen zu bleiben und es war weder der Hunger, noch die Müdigkeit, die ihre Blicke trennte und sie zurück in ihren Hütten trieb. Denn beide trafen die stille Vereinbarung sich im Traum zu treffen und dort den großen Fluss hinweg zu zaubern.

Der Junge schlief ein und träumte vom Mondschein aus dessen Nebel die Seiltänzerin hervortrat und dicht vor seinem Körper stehenblieb. Dann berührte er behutsam mit seinen Fingerspitzen ihre Hände und begann sie sachte zu streicheln, ohne den Blick von ihren Augen zu wenden. Und aus der Traumstille drang eine liebliche Melodie von Geigen in seine Ohren. Das Mädchen hob ihre Hand und berührte die Wangen des Jungen. Sein Atem wurde dabei heftiger und strich dem Mädchen über ihr Gesicht. Beide sprachen kein Wort miteinander, schlossen ihre Augen und lauschten der Geigenmusik. Dann wurde der Mondnebel zunehmend dichter und umhüllte den Jungen und das Mädchen. Beide wünschten sich niemals mehr zu erwachen, den Augenblick zu halten, die Endlichkeit bis ins Ewige hinein auszudehnen.

Am nächsten Tag lief der Junge sogleich ans Flussufer. Der Morgennebel schwebte noch über dem Gras und die Vögel sangen in den Baumkronen die Frühlingslieder.

Das Mädchen saß schon da, hockend und mit den Armen ihre Beine umschließend. Der Junge wollte ihr zurufen und ihr von seinem Traum erzählen. Doch überkam ihm ein wenig Scham und so blieb er still. Das Mädchen begann nun zu lächeln. Ihre Augen leuchteten dabei und der Junge wusste, das es unnötig wäre, ihr von dem Traum zu erzählen.

Beide saßen sie wieder den ganzen Tag über am Ufer und sahen sich an. Zuweilen lächelte der Junge und zuweilen begann das Mädchen zu lachen. Und wieder schien für beide die Zeit stehen zu bleiben. Erst zur Abenddämmerung trennten sich ihre Blicke.

Und diesmal winkten sich beide zum Abschied zu und wünschten sich mit einem Lächeln einen schönen Traum.

Das Mädchen träumte sich in ein großes Schloss hinein. Dort war sie die Prinzessin und der Junge war ihr Prinz. Beide waren ganz allein in dem großen Königssaal und mit stolzen erhobenen Haupt forderte der Prinz die Prinzessin zum Tanz. Durch die riesigen Fenster strahlte die Sonne und sah eine Prinzessin, wie sie auf ihren Zehenspitzen über den glänzenden Saal balancierte. Der Prinz hielt dabei ihre ausgestreckte Hand und gab ihr Halt.

Und das Paar bemerkte nicht wie sich der Königssaal in eine endlos weite Wiese verwandelte. Noch immer tanzten sie und die Bienen summten ihr die Musik. Tausende Schmetterlinge flogen herbei und umkreisten ihren Tanz und die Hirsche und Vögel waren die Musiker und gaben so gut sie konnten den Rhythmus. Dann begann es zu regnen.

Die Regentropfen wurden immer größer und fielen auf die Prinzessin und den Prinzen nieder. Doch beide tanzten unbekümmert weiter. Der Regen wurde immer heftiger und es bildete sich unter den nackten Füßen der Tänzer ein kleiner Fluss. Der wuchs bedrohlich an und reichte schon bis an den Bauchnabel der Prinzessin. Den Hirschen wuchsen nun Flügel. Sie flogen gemeinsam mit den Schmetterlingen um die Liebenden herum und gaben weiter den Rhythmus an. Da hob der Prinz seine Geliebte in die Höhe und drehte sie lachend im Kreis, so lang bis beide von der Strömung des Flusses hinweg gerissen wurden. Die Hirsche und Vögel weinten salzige Tränen auf den strömenden Fluss. Es waren Freudentränen. Und die Schmetterlinge umkreisten immer noch ihren Tanz.

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